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I never talk to Strangers von Stefan Fent (2011)

 

"Was ist schlimmer? In der Scheiße zu sitzen oder zu wissen, dass man bald in der Scheiße sitzt?"

 

von Stefan Fent

mit Lisa Fuchs, Markus Schramm, Stefan Fent, Claudia Grevsmühl

 

Regie: Erik Etschel
Ausstattung: Thomas Kurz
Lichtgestaltung: Elwin Ebner

 

 

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Pressestimmen:

 

Das wahre Leben ist ein Groschenroman

 

Lukas Luger, Oberösterreichische Nachrichten, 14.7.2011

Theater-Premiere: „I Never Talk To Strangers“ von Stefan Fent, Regie: Erik Etschel; Tabakwerke Linz, 12. Juli

 

„Dein Leben ist ein Groschenroman, die Stadt ist voll von Typen wie dir“, singt Tom Waits mit brüchiger Stimme in „I Never Talk To Strangers“. Mit diesem todtraurigen Walzer endet das gleichnamige Drama von Stefan Fent, das am Dienstag bei den „Musenspielen 2011“ in den Tabakwerken Linz seine Uraufführung feierte.

Ein Song, der die Essenz des knapp 60-minütigen Stücks perfekt bündelt. Regisseur Erik Etschel stellt darin zwei Parallelwelten gegenüber, scheinbar ohne gemeinsame Berührungspunkte und doch eng durch die bröckelnden gesellschaftlichen Verhältnisse aneinander gebunden. Hier eine Familienidylle, deren spießbürgerliche Fassade von ihren Mitgliedern mit geradezu hysterischem Eifer aufrecht erhalten wird. Doch dahinter tobt der durch den finanziellen Abstieg befeuerte Wahnsinn: Hass, Drogen und angedeuteter Inzest.

Beeindruckend: Lisa Fuchs und Markus Schramm als Ehepaar, das zu keinem ehrlichen Wort fähig ist, dafür stets ein fröhliches Liedchen auf den Lippen trägt. Ein Leben wie ein Groschenroman – austauschbar, inhaltsleer, ohne Tiefe.

Hervorragende Schauspieler

 

Am Ende dieser Spirale des gesellschaftlichen Irrsinns bereits angekommen ist dagegen ein phasenweise grandios vor sich hin sinnierendes Sandler-Pärchen (ebenfalls Fuchs und Schramm), das versucht, den erlebten sozialen Abstieg zum heroischen Akt der Befreiung umzuinterpretieren. Was ebenso zum Scheitern verurteilt ist wie der Versuch der Spießbürger, ihre eitrigen Familienwunden notdürftig mit ausgesuchter Höflichkeit zu überkleben.

Stefan Fent zeichnet in „I Never Talk To Strangers“ das düstere Bild einer sich auflösenden Gesellschaft, in der Mitgefühl nur eine hohle Phrase und die Suche nach dem kleinen Glück zur Farce geworden ist.